Ein echtes Schmuckstück: Tokios Bahnhof

Der Tokioter Hauptbahnhof wurde von dem japanischen Architekt Tatsuno Kingo entworfen. Tatsuno hatte Architektur in England studiert, und er spielte in der Taisho-Zeit (1912-1926) eine führende Rolle in der japanischen Bauwirtschaft. Das Gebäude der Bank of Japan ist auch eines seiner Werke. Beim Bahnhofs-Entwurf gab es damals einen Gegenkandidaten. Dieser stammte von dem deutschen Eisenbahningenieur Franz Baltzer, der damals in Japan für den Bau der Strecke zwischen Tokio und Shinbashi zuständig war. Interessanter Weise wurde Baltzers Entwurf abgelehnt, weil er zu japanisch war.

Der Tokioter Bahnhof, im Stil des Neobarock, wurde 1914 mitten auf einer Wiese vor dem Kaiserpalast platziert. Man vermutet, dass Tatsuno sich den Amsterdamer Bahnhof zum Vorbild genommen hatte, aber es ist nicht erwiesen. Die Ähnlichkeiten zwischen beiden Bahnhöfen sind jedoch frappierend. Der größte Teil des Bahnhofs wurde durch Bomben im Zweiten Weltkrieg zerstört. Deswegen war es stets ein großer Wunsch der Tokioter, den Bahnhof in seiner ursprünglichen Form wieder her zu stellen. 2012 im Oktober war es dann schließlich so weit, der ehrwürdige Bahnhof erstrahlte in neuem Glanz.

Im Tokioter Bahnhof befinden sich 18 Bahnsteige für Regionalbahnen, 10 für Shinkansen-Züge und 2 für die U-Bahn. Durchschnittlich mehr als 600.000 Passagiere benutzen diesen Bahnhof pro Tag. Trotz dieser riesigen Passagier-Anzahl ist der Tokio Bahnhof nicht der Größte in Tokio. Er wird übertroffen vom Shinjuku-Bahnhof.

Man kann in dem Bahnhof übrigens nicht nur in Züge ein- und umsteigen. Es befindet sich auch ein spektakuläres Luxushotel (Tokio Station Hotel) darin und außerdem unzählige kleine Geschäfte und Restaurants.
Schräg gegenüber des Bahnhofs gibt es ein Gebäude, das Kitte (Briefmarke; früher gehörte das ganze Gebäude der Post) heißt. Auf dem Dach dieses Gebäudes hat man einen tollen Blick auf den Bahnhof. Das ist auch nach Sonnenuntergang spektakulär.

Keiko Onozuka

Tenugui: traditionelle Tücher

Tenugui sind traditionelle, japanische Handtücher aus Baumwolle. Sie haben im Schnitt eine Größe von 35 x 90 Zentimeter und sind in der Regel farbig bedruckt, häufig mit einem Bildmotiv. Früher wurden sie öfter im Alltag benutzt als heute. Dennoch sind sie in letzter Zeit als Geschenk, Souvenir oder Dekorationsobjekt sehr beliebt geworden.

Tenugui wurden in der Edo-Zeit so richtig populär. Damals durften die Menschen niedriger Stände, also Bürger, Bauern und Handwerker keine Seidenkleidung tragen. Nur Baumwolle war ihnen erlaubt. Um den Baumwollbedarf zu decken wurden riesige Baumwollplantagen außerhalb von Edo angelegt. In dieser Zeit entstanden auch die Tenugui. Die Tenugui wurden gern in öffentlichen Badehäusern benutzt. Die Badegäste wuschen sich mit den Tenugui und sie trockneten sich auch damit ab.

Ein anderer Einsatzzweck der Tenugui war bei Aufführungen im Kabuki-Theater, die ebenfalls in der Eda-Zeit einen unglaublichen Boom erfuhren. Die Tenugui wurden als Teil der Bühnenausstattung verwendet.
Außerdem ließen viele Kabuki-Schauspieler und Sumo-Kämpfer besondere Tenugui mit ihrem Konterfei und Namen drauf anfertigen. Sie verteilten die Tenugui dann wie Visitenkarten. Durch solche Aktionen der Stars verbreitete sich die Verwendung der Tenugui rapide.
Modebewusste Menschen benutzten die Tenugui als Schal oder als Accessoire und Leute, die oft im Freie arbeiteten, benutzten die Tenugui als Kopfschutz vor Staub oder der Sonne.
Heute werden Tenugui kaum mehr auf diese Art verwendet. Dennoch erfreuen sie sich wieder großer Beliebtheit. Tenugui-Geschäfte florieren. In der Gegenwart werden viele Tenugui mit einem schönen Muster drauf verkauft. Manche Japaner benutzen sie jetzt auch gern als nostalgische Handtücher, und viele ausländische Touristen nehmen ein paar als Souvenir mit. Tenugui lassen sich gut auf einen Rahmen aufziehen, und dann kann man sie wie ein Bild aufhängen. Möchte man ein anderes Motiv, wechselt man das Tenugui einfach aus uns ersetzt es durch ein anderes. So kann man zum Beispiel Jahreszeiten-Motive abwechseln.

Wenn Sie sich für Tenugui interessieren, empfehle ich Ihnen zwei Lieblingsgeschäfte von mir.
Kamawanu: Ihr Hauptgeschäft liegt in Daikanyama, nicht weit entfernt von Shibuya. Sie haben aber überall viele Fillialen: http://www.kamawanu.co.jp
Fujiya: Das Geschäft befindet sich nicht weit von Sensoji-Tempel in Asakusa. Die Tenuguis dort werden durch eine ganz traditionelle Technik, wie in der Edo-Zeit bedruckt. Sie haben leider keine eigene Webseite.

Keiko Onozuka

Spajiro: Pasta auf japanische Art

Bei all den japanischen Köstlichkeiten – von Sushi bis Shabu-Shabu – die man tagtäglich genießen kann, steht einem machmal der Sinn nach etwas Nicht-Japanischem. Und auch in dieser Hinsicht kennt in Tokio das Angebot keine Grenzen. Einer unserer Lieblingsrestaurants ist das Spajiro in Ginza. Es handelt sich dabei um eine Art Schnell-Restaurant, in dem hauptsächlich Spaghetti-Gerichte angeboten werden. Das klingt, zugegeben, zunächst wenig aufregend. Aber ich gestehe, im Spajiro habe ich eine der besten Tomaten-Pasta meines Lebens gegessen. Selbst Restaurants in Italien haben es nicht leicht mitzuhalten. Einmal probiert, kommt man immer wieder.

Man kann im Spajiro verschiedene Pastasaucen wählen. Dabei gibt es zwei Kategorien: Pasta-Saucen italienischer Art und Pasta-Saucen japanischer Art. Zu ersteren gehören beispielsweise Spaghetti Carbonara, Spaghetti Vongole oder Spaghetti mit Tomaten, Auberginen und Mozzarella. Bevorzugt man den japanischen Stil, dann gibt es beispielsweise Spaghetti mit Mentaiko-Mayonaise-Sauce (ein absolutes Gedicht!) oder Tarako (Fischeier)-Spaghetti. Jedes Spaghetti-Gericht gibt es in den Größen S, M und L. Der Preis bleibt aber immer gleich, durchschnittlich um die 1000 Yen, also etwa 8-9 Euro. Dazu wird stets eine kleine Brühe serviert. Man bekommt kostenlosen Eistee zum Trinken. Natürlich könnte man auch andere Getränke bestellen. Bei einem Aufenthalt in Tokio sollte man mittags einmal das Spajiro besucht haben. Es gibt Filialen an mehreren Orten: Ginza, Roppongi, Shibuya, Ebisu oder Akasaka. Die Webseite ist leider nur auf Japanisch.

Thomas Wilhelm

Erlösung im Zojo-ji Tempel

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Zojo-ji

Der Zojo-ji ist ein buddhistischer Tempel der Jodo-Schule im Stadtteil Shiba-koen, er liegt am Fuße des Tokyo-Tower. Der Tempel ist als der Familientempel des Tokugawa-Clans bekannt.

Sechs Tokugawa-Shogune (Hideyori, Ienobu, Ietsugu, Ieshige, Ieyohi und Iemochi) und ihre Ehefrauen haben hier ihre Ruhestätte.
Der Überlieferung nach begegnete der Abt Jiso 1590 vor diesem Tempel dem berühmten Tokugawa Ieyasu, der zufällig an diesem Tempel vorbei einen Spaziergang machte. Diese Begegnung musste einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, denn von diesem Tag an wurde der Zojo-ji zum Familientempel Tokugawa-Clans erhoben wurde. In den darauf folgenden Jahrhunderten blühte der Tempel richtig auf, er wurde zu einem der wichtigsten Ausbildungszentren für junge Mönche. auf seiner Anflage befanden sich etwa 48 Hörsäle und mehr als 100 Wohnheime für die Mönchsschüler. In der Blütezeit wohnten etwa 3.000 Mönche dort. Als Tokugawa Ieyasu 1616 im Alter von 75 Jahren starb, wurde die Trauerfeier in diesem Tempel abgehalten.

Nach dem Ende der Edo-Zeit und dem Fall des Tokugawa-Clans kamen schwierige Zeiten auf den Tempel zu. Die Meiji-Regierung konzentrierte sich stärker auf die shintoistischen Traditionen und wertete den vom Festland importierten Buddhismus ab. Shintoistische Schreine wurden gefördert, und buddhistische Tempel vernachlässigt. Als im Jahr 1873 der Tempel durch einen verheerenden Brand weitgehend zerstört worden war, wurde der größte Teil der Tempelanlage zu einem Park erklärt, dem heutigen Shiba-Koen. 1945 wurde der Tempel durch die amerikanischen Luftangriffe total zerstört. Aber dank großzügiger Spenden aus ganz Japan konnte 1952 ein provisorisches Hauptgebäude errichtet werde, das schließlich 1975 fertig gestellt wurde. 1989, zum fünfhundertfünfzigsten Todestag des Tempelgründers, kam ein weiterer Neubau hinzu, das so genannte Kaizando.

Das zweistöckige Tor, das „Sangedatsumon“ (Sangedatsu-Tor) wurde 1622 errichtet und blieb sogar im Zweiten Weltkrieg verschont. „Sangedatsu“ heißt „drei Erlösungen“. Man sagt, wenn man durch das Tor in die Tempelanlage reingeht, kann man die Erlösung von drei Leiden erfahren: Gier, Hass und Dummheit. Da könnten einige Menschen mal durchgeschickt werden.

Der Hauptgott des Tempels befindet sich in einer Halle, die rechts von dem Hauptgebäude liegt. Er wird repräsentiert von einer schwärzlichen Statue, die etwa 80 Zentimeter groß ist und von einem berühmten Mönch der Heian-Zeit (794-1185), namens Genshin geschaffen wurde. Die ursprünglich goldene Statue ist im Laufe der Zeit nachgedunkelt, und wird deswegen „Kuro-Honzon“ genannt. „Kuro“ heißt „schwarz“ und „Honzon“ bedeutet „Hauptgott“. Es heisst, Tokugawa Ieyasu betete oft vor dieser Buddha-Statue mit großer Hingabe. Er soll die Statue sogar aufs Schlachtfeld mitgenommen haben. Heutzutage betet man zu diesem Gott um Erfolg bei einem Wettbewerb oder um Vertreibung von Unglück. Die Statue wird nur drei Mal pro Jahr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht: am 15. Januar, am 15. Mai und am 15. September.

Keiko Onozuka

Akihabara: Kameras und Otaku

Der Mittelpunkt der Welt für alle Freunde der Elektronik ist der Stadtteil Akihabara. Hier findet man einfach alles, was mit elektronischen Geräten zu tun hat. Bevor das Herz des japanischen Elektrohandels in Akihabara entstand, gab es hier nach den Zweiten Weltkrieg ein großen Schwarzmarkt. Im Laufe der Zeit entwickelte sich diese Gegend zum Einkaufszentrum für Elektronenröhren und Radio-Bauelemente. Amateurfunker und Studenten der Elektrotechnik-Universität, die in Kanda, unweit von Akihabara liegt, waren die Hauptkunden. In den sechziger Jahren – im Zuge des gigantischen wirtschaftlichen Wachstums, entstanden immer mehr Geschäfte, in denen Haushalt-Elektrogeräte verkauft wurde. In letzter Zeit haben vermehrt Riesen- Handelsketten in Akihabara Einzug gehalten. Auch Rohbauten verändern nach und nach das Viertel. Die ursprünglichen Geschäfte der kleinen spezialisierten Einzelhändler drängen sich entlang der Bahngleise. Dort kann man immer noch rare elektronische Bauelemente, Amateurfunkgeräte, gebrauchte Elektronikprodukte und Modelleisenbahnen ergattern.

Akikhabara hat aber noch ein zweites Gesicht. Es ist das Paradies für alle Manga – und Anime-Otaku. Otaku bezeichnet einen bestimmten Menschen-Typ, der für seine Leidenschaft oder Hobby viel Energie, Zeit und Geld aufwendet. Solche Otaku leben in ihrer eigenen Fantasiewelt und haben manchmal nur noch wenig Kontakt zur realen Welt. In Akihabara finden sich unzählige Manga- und Animegeschäfte. Außerdem gibt es viele Cosplay-Cafes. In diesen Cafes tragen die Kellnerinnen Kostüme berühmter Charaktere aus Videospielen, Anime-filmen oder Manga-Comics.

Nach einer Umfrage der Tourist-Information in Tokio besucht jeder zehnte Tourist während seines Aufenthalts in Tokio Akihabara. Wer also das absolute Kontrastprogramm zu beschaulichen Tempeln oder idyllischen japanischen Gärten sucht, der sollte einen Abstecher hierher wagen.

Keiko Onozuka

Kanda Myojin

Für alle Lebenslagen, Wünsche und Bedürfnisse gibt es in Japan spezielle Schreine mit spezialisierten Göttern. Leidet man an einer Erkrankung, sucht man einen Ehepartner oder einen neuen Job, wünscht man sich Erfolg bei der anstehenden Aufnahmeprüfung, dann geht man zu einem passenden Schrein, bei dem man um göttliche Unterstützung bitten kann. Ein Schrein, der touristisch nicht sonderlich bekannt ist, der sich bei den Tokiotern wegen seiner spezifischen Götter aber großer Beliebtheit erfreut, ist der Kanda-Myojin. Dieser Shinto-Schrein liegt unweit vom Ochanomizu-Bahnhof und vom Stadtteil Akihabara. Seine Gründung geht auf das Jahr 730 zurück. Allerdings war er zu seiner Anfangszeit in einem anderen Bezirk, der heute „Otemachi“ heißt.

Dieser Schrein ist drei Göttern geweiht.
Daikoku: Daikoku ist eine shintoistische Gottheit, der bei der Gründung Japans seiner Finger im Spiel hatte. Bei ihm beten ledige Menschen um eine Eheschließung, und Ehepaare um eine friedliche und harmonische Ehe.

Ebisu: Ebisu ist ebenfalls ein schintoistischer Gott, der als der Fischer-Gott bekannt ist. Vor ihm betet man um geschäftlichen Erfolg und Gesundheit. Am Jahresanfang pilgern Scharen von Unternehmensabteilungen zu Ebisu, um bei ihm um göttlichen Beistand für den nächsten Jahresabschluss und die Leistungsperformance zu bitten.

Taira no Masakado (-940): Taira no Masakafo ist ein Samurai aus der Heian-Zeit (794-1133). Er herrschte über die Kante-region und rebellierte gegen die kaiserlichen Machthaber in Kyoto, was ihn bei der regierungskritischen Kanto-bevölkerung äußerst populär machte. Nachdem er 940 in einem Kampf getötet worden war, wurde sein Haupt zum Kanda-Myojin gebracht und dort begraben. Ein paar hundert Jahre später spielte Masakado dann nochmals eine wichtige Rolle. Die Kanto-Region wurde im 14. Jahrhundert nämlich von einer Reihe verheerender Seuchen heimgesucht. Man konnte sich diese Katastrophen nur damit erklären, dass mit dem toten Masakado ein Fluch verbunden sein musste, der für all diese Übel verantwortlich war. Also hielt man rasch eine stattliche Gedenkfeier ab, und seit dieser Zeit wird Masakado als Gott des Sieges verehrt.

1600 betete Tokugawa Ieyasu hier zu Gott um seinen Sieg und Erfolg, kurz vor seinem Aufbruch nach Sekigahara (in der jetzigen Gifu-Präfektur), wo die berühmte Schlacht von Sekigahara stattfand. Und tatsächlich: Ieyasu ging als triumphaler Sieger vom Platz, und er gründete seine Regierung in Edo, dem heutigen Tokio. Weil Ieyasu der Kanda Myojin ans Herz gewachsen war, ließ er ihn 1616 schließlich an den heutigen Standort verlegen. Dabei lag der Schrein in der Unglück verheißenden Richtung. Die Aufgabe des Schreins bestand daher von nun an darin, die bösen Geister von Edo fernzuhalten. Während der ganzen Edo-Zeit (1603-1868) hindurch wurde der Schrein von dem Tokugawa-Clan besonders geschützt, und gleichzeitig war er auch unter dem einfachen Volk sehr beliebt.

In der Meiji-Zeit (1868-1912) wurde der Schrein offiziell in „Kanda Jinja“ umbenannt.
Die meisten Menschen nennen den Schrein aber immer noch mit dem
vertrauten Namen „Kanda-Myojin“. 1923 wurde beim Großen Kanto
Erdbeben das Hauptgebäude komplett zerstört. Ein umstrittener Betonbau kam an seine Stelle. Heute wird der Schrein auch gern für Hochzeiten genutzt. Für diesen Zweck wurde nach dem 2. Weltkrieg ein großer Festsaal dazu gebaut.

Der Kanda-Myojin gehört bestimmt nicht zu den attraktivsten Schreinen, aber aufgrund seiner Geschichte ist er für mich ein ganz besonderen Schrein in Tokio.

Keiko Onozuka

Sumo satt

Sumo-BashoWer wissen möchte, wie Japans Nationalsport Sumo funktioniert, der sollte mal zum Rogoku-Kokugikan fahren. Das Rogoku-Kokukikan ist eine Sporthalle, in der speziell Sumo-Turniere stattfinden. Sie wurde 1985 fertig gestellt. 13.000 Zuschauer finden Platz. Gegenwärtig finden insgesamt sechs Turniere im Jahr an wechselnden Austragungsorten statt, ein Turnier dauert jeweils 15 Tage. Im Kokugikan in Tokio findet dreimal jährlich ein Sumo-Turnier statt. Hatsubasho : das Neujahrsturnier im Januar; Natsubasho : das Sommerturnier im Mai; Akibasho : das Herbstturnier im September. Ein Sumo-Museum ist auch im Gebäude unterbracht.
Wer freie Karten für ein Turnier möchte, sollte sich am Wettkampftag schon ab 7 Uhr an der Halle einfinden. Auch wenn die Hauptkämpfe der Makunouchi Division erst ab 16 Uhr beginnen. Die Nachfrage ist nämlich ziemlich hoch. Wer noch mehr Infos zum Sumo möchte, der ist auf der Webseite der Japan Sumo Association richtig.

Sumo, heute eher Profisport als Kampfkunst, geht auf alte Shinto-Ernterituale zurück. Deswegen ist die starke Bindung an den Shintoismus in vielen Sumo-Ritualen noch erkennbar. Zum Beispiel wirft man Salz vor Beginn des Kampfes. Oder man stampft bedrohlich mit den Beinen auf, um das Böse abzuschrecken.
Ziel des Wettkampfs ist es, den Gegner aus einem sandbedeckten, mit einem Strohseil abgesteckten Kreis, zu drängen oder ihn so aus dem Gleichgewicht zu bringen, dass er den Boden mit einem anderen Körperteil als den Fußsohlen berührt. Die erste Erwähnung des Sumo findet sich in einer Schrift aus dem Jahr 712, dem Kojiki. Danach hat die Geschichte Japans seinen Ursprung in einem Summ-Kampf zwischen zwei Göttern.
Der tatsächliche Ursprung des Sumos ist unklar. Sehr wahrscheinlich kamen zwei Varianten zusammen: Ein erster Ringstil kam aus China, und er war Begleitritual bei Begräbnisfeiern. Ein zweiter Stil stammt aus Südostasien und war ein Begleitritual bei Erntefesten. Im Lauf der Zeit wurden beide Stil miteinander vermischt und zum heutigen, eigenständigen Sumo weiterentwickelt.
Die ersten historisch bezeugten Sumokämpfe wurden 642 am Hof der Kaiserin Kogyoku zur Unterhaltung einer Gesandtschaft aus Korea ausgetragen. Aus dem 8. Jahrhundert ist bekannt, dass Sumo-Kämpfe zur Unterhaltung des Kaiserhofs hauptsächlich in Kyoto veranstaltet wurden. Die Rikishi (Sumo-Kämpfer) stammten aus den Rängen der kaiserlichen Armee. Regelmäßige Veranstaltungen am Hof des Kaisers und die Etablierung erster Regelwerke fallen in die kulturelle Blütephase der Heian-Zeit. Später wurde Sumo auch im Volk ausgeübt, wobei die Kämpfe oft erst mit dem Tod eines der Kämpfer endeten. Da überlegt man sich wahrscheinlich, ob man diese Karriere wirklich einschlagen möchte.
1648 wurde Sumo vorübergehend verboten, weil Sumo durch wilde Kämpfe auf den Straßen, besonders in Edo (Tokyo), zu einem Ärgernis geworden war. 1684 wurde Sumo erneut erlaubt, aber nur unter der Bedingung, dass die Kämpfe öffentlich auf Arealen von Schreinen abgehalten wurden. Die Zuschauer mussten Eintritt bezahlen. Die Einnahmen wurden zur Deckung der Baukosten eines neuen Schreins oder den Renovierungskosten einer Brücke benutzt. Es entwickelte sich zu dieser Zeit eine offizielle Sumo-Organisation, die auf Verfügung der Verwaltung von Edo ab 1719 nur noch aus professionellen Ringern bestand. Das war der Beginn des professionellen Sumos. Es wurde ein offizielles Reglement eingeführt. Danach durften nur 48 Sieg-Techniken beim Kampf benutzt werden. Aus diesem Sumo hat sich das moderne, gegenwärtige Sumo entwickelt, das gewöhnlich O-zumo (es bedeutet wörtlich „Großes Sumo“) genannt wird.
Außer dem professionellen Sumo gab es in der sinnenfreudigen Edo-Zeit auch Frauen-Sumo. Zuerst traten die Kämpferinnen wie ihre männlichen Kollegen nur mit einem Lendentuch bekleidet auf, dann verfügte die Obrigkeit ein züchtigeres Trikot. Zum Ende der Shogunats-Regierung hin, war dann Sumo erst mal out. Erst 1884 ließ der Meiji-Kaiser dann erneut ein Sumoturnier veranstalten. Der Kaiser war nämlich selbst begeisterter Sumo-Ringer.

Alle Sumo-Ringer gehören zu einem Ringerstall, oder Heya auf Japanisch. Es gibt momentan 54 Ringerställe in Japan. Erfolgreiche frühere Sumo-Ringer gründen und führen oft einen eigenen Stall, nachdem sie zurückgetreten sind. Ein Sumo-Ringer trainiert und wohnt in dem Stall, solange er keinen hohen Rang erreicht hat. Im Alter von etwa 15 Jahren beginnen sie ihre Laufbahn in der untersten Liga. Bis sie die zweite Division erreichen, kriegen sie kein festes Gehalt. Sie erhalten nur Kost, Logis und einen kleinen Turnierbonus. Der Trainingstag ist hart und ziemlich durchgetaktet. Morgens um 5:00 Uhr heißt es aufstehen, dann wird erstmal geübt und trainiert. Die Ringer in der höheren Liga schließen sich dem Training später am Tag an. Um 8:00 Uhr beginnen die jungen Ringer in der niedrigeren Division langsam das Frühstück für alle vorzubereiten. Der spezielle Eintopf, der dabei vorbereitet wird, heisst Chanko-Nabe. Um 11 Uhr wird dann ausgiebig gespeist. Zuerst essen die hochrangigen Sumo-Ringer, und wenn sie damit fertig sind, dürfen die jüngeren essen. Die Jungen kriegen das, was übrig ist. Nach dem Frühstück wird eine Schlafpause eingelegt, denn schließlich muss man die Kalorien in Körpermasse umzusetzen. Ein zweites Essen gibt es dann 18:00 Uhr.

Die meisten japanischen Sumo-Ringer wiegen etwa 110 bis 150 Kilogramm.
Der schwerste Rikishi (Sumo-Ringer) in der Geschichte des modernen Sumo war der Hawaiianer Konishiki, der etwa 260 Kilogramm auf die Waage brachte. Im Sumo gibt es keine Gewichtsklassen. Schlankere (!?) Figuren dürfen sich im Wettkampf daher mit richtig dicken Brocken messen.
Die Ränge (absteigend) sind: Yokozuna, Ozeki, Sekiwake, Komusubi, Maegashira und ein Rang ohne Titel. Worüber viele Japaner traurig sind, ist, dass seit vielen Jahren kein einziger Japaner mehr den höchsten Rang erreicht hat. Stattdessen gibt es drei Mongolen im Yokozuna-Rang: Hakuho, Harumafuji, Kakuryuu. Sie dominieren gegenwärtig jedes Sumo-Turnier. Hakuho wird dabei vermutlich als einer der größten Sumo-Ringer aller Zeiten in die Geschichtsbücher eingehen. Mit seinen 893 Siegen (Stand Juli 2016) steht er an der Spitze der Sumo-Ringer aller Zeiten. Und es sieht nicht danach, dass er bald in Rente gehen wird.

Keiko Onozuka

 

Der Hamarikyu-Garten

Hamarikyuu1Der Hamarikyu-Garten liegt beschaulich mitten in einem Gebiet von Wolkenkratzern. In der Edo-Zeit lag der Park noch außerhalb der Stadt, und er wurde als Jagdgebiet benutzt. Hauptsächlich wurden Enten gejagt. Noch heute sind spezielle Schleusen zu sehen, die verwendet wurden, um die Enten gezielt zusammen zu treiben. Schließlich wollten die Adeligen und Samurai keine Zeit damit vergeuden, mühsam das Jagdgetier aufstöbern zu müssen.

1654 hatte Tokugawa Tsunashige dieses Stück Land vom 4. Tokugawa Shogun Ietsuna geschenkt bekommen. Tsunashige baute hier ein Wohnhaus mit einem Garten rundherum. Tsunashige – aus einem Nebenzweig der Tokugawa-Familie stammend – war der Lord von Kofu, der jetzigen Yamanashi-Präfektur. Deswegen wurde das neue Anwesen nach seiner Heimat „Kofu-Hama“ genannt. „Hama“ heisst dabei „Strand“. Tsunashige’s Grundstück lag damals nämlich direkt am Meer. Er hatte in Tokio, dem damaligen Edo, also ein Haus am Strand. Die Mächtigen verstanden auch damals schon zu wohnen.

Der 11. Shogun Ienari errichtete auf dem Gelände später ein Teehaus, das noch heute an gleicher Stelle mitten in einem wunderschönen Teich liegt. Das Teehaus ist allerdings ein Nachbau. Denn 1923 wurde es beim großen Kanto-Erdbeben zusammen mit einer Reihe anderer Gebäude auf dem Gelände zerstört. Das Teehaus lädt zum Verweilen und einer Tasse Matcha ein.
Nachdem 1869 der letzte Shogun entmachtet worden war, fiel der Park an den Kaiserhof und wurde Hamarikyu genannt („Zweitresidenz am Strand“). 1946 übernahm die Stadt Tokio den Garten, restaurierte ihn und machte ihn der Öffentlichkeit zugänglich. Der Park gilt heute als „besondere historische Stätte “.

Keinesfalls verpassen sollte man die über 300 Jahre alte Zeder in diesem Park. ein echt beeindruckender Baum, der schon einiges miterlebt hat.
Der Eintritt in den Park kostet 300 yen. Er ist in gut 15 Minuten zu Fuß von der Shinbashi-Station an der JR Yamanote-Linie zu erreichen. Wer will, kann aber auch mit dem Schiff von Asakusa aus auf dem Sumida-Gawa zum Park schippern. Die Fahrt dauert etwa 30 Minuten.

Keiko Onozuka

Der älteste Tempel

 

Der Senso-ji ist der älteste buddhistische Tempel Tokios. Er liegt im Stadtteil Asakusa. Wenn man durch das Tor mit der bekannten roten Laterne geht, erstreckt sich eine lange Straße vom Eingangstor bis zum Hauptgebäude des Tempels. Die kleine Straße, sie wird Nakamise-Doori genannt, ist gesäumt von vielen, kleinen Geschäften. Man kann dort überall landestypische Dinge erstehen: Fächer, Kimonos (Yukatas), Grafiken, Tenugui-Tücher, Reiscracker und Süßigkeiten. Wenn mann will, kann sich von den freundlichen Rikscha-Fahrern durch das Viertel kutschieren und sich dabei allerlei historische Dinge erklären lassen.

Wenn ich einmal in Asakusa bin, besuche ich sehr gern ein Runnung-Sushi-Restaurant, das „Maguro-Ibito“, das kann man als „Tunfisch-Mann“ übersetzen. Das Restaurant ist vor ein paar Jahren umgezogen und liegt jetzt in der Shin-nakamise-doori, einer belebten Querstraße zur Nakamise-doori.

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